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Das vergessene Ich

aus + 8 Kommentare + 29.04.2013

Antje Bockeloh, eine Freundin und Künstlerin war mir schon in der Entstehungsphase von I REMEMBER eine inspiriende Unterstützung. Sie wusste, dass die Herausforderung darin bestand, möglichst wenig im Vorfeld zu planen und bewertungsfrei mit den Impulsen mitzufliessen. Im Ruheforst in Hümmel hatten wir beide vor einigen Jahren bereits kreative Stunden erlebt. Wir haben uns spontan entschieden, noch einmal dorthin zu fahren. Dieses Mal wollten wir die beiden Töchter von Antje mitnehmen. I REMEMBER mit Kinder zu erleben, fand ich besonders spannend.

Pünktlich bei unser Ankunft fing es an zu regnen. Die Lust in sattes Grün einzutauchen, alte Baumwurzeln zu besteigen und das Einsinken in weiches Moss war größer und lockte sofort zum Loslegen. Erst beim Auspacken der Buchstaben merkte ich, dass ich das  I im Atelier vergessen hatte. Dann eben ohne das ICH. Was für ein Zufall!

Die Kinder musste ich nicht lange bitten. Sie schritten gleich zur Tat. Kurz noch erklärt, wie das Wort REMEMBER geschrieben wird und los ging es. Wortlos folgten wir miteinander unseren Impulsen. Immer wenn die Kinder unruhig wurden, wussten wir, dass alle Impulse ausgedrückt waren und ein Ortswechsel anstand. Unser Weg führte uns quer durch den Wald bis zu dem Baum im Ruheforst, wo meine Mutter beerdigt ist. Nach 2 Stunden waren alle Impulse ausgedrückt und wir sassen müde, hungrig und nass wieder im Auto. Die Kinder assen ihr Butterbrot und schliefen. Antje und ich hatten Zeit, dem Zauber den wir erlebten hatten, nachzuspüren.

Nach dem wir bestaunten hatten, wie flüssig wir miteinander waren, sprachen wir über die Ausstellung, die Antje Bockeloh seit Monaten mit ihrer Künstlergruppe vorbereitete. Die Idee war, jeder KünstlerIn sollte die Themen der anderen KünstlerInnen bearbeiten.  8 Themen hatte Antje bereits mit Kamera und anderen Mittel umgesetzt. Es fehlte noch das Thema Portrait. Sie erzählte mir, dass I REMEMBER sie inspiriert hat das Thema Portrait mit “im Fluss der Gefühle” zu verbinden. Ich höre mich noch sagen:

Ich würde gerne vor deiner Linse von einem Gefühl ins nächste fliessen.

Ich hatte das Angebot noch nicht ausgesprochen, da sind wir schon in die Planung eingestiegen. Wir haben uns in einem geschützten und gestalteten Raum getroffen. Das war die unglaublichste Erfahrung, die ich seit langem erlebt habe.  Wie bei unserer I REMEMBER – Zeit sind wir fast wortlos miteinander geflossen. In 1,5 Tagen sind ca. 1000 Fotos entstanden.

Schon während des Shootings, aber auch in den Wochen danach, wurde ich immer wieder mit den Fotos konfrontiert. Mehr und mehr lösten sich meine Bewertungen und Ängste  auf. Bis ich schließlich am Ausstellungsvorabend vor meinem Portrait von 180 x 180 stand.

Danke Familie Bockeloh für diese Form der Erinnerung. Sie hat mal wieder einige Bewertungen, die ich von mir hatte, aufgelöst und mir damit ein großes Stück Freiheit geschenkt.

8 Kommentare

  1. Hallo Rita, vielen Dank für diesen schönen Bericht. Dieser wunderschöne Tag ist mir noch sehr in Erinnerung. An diesem Tag habe ich zum ersten mal bewußt wahr genommen, wie sich “flüssig sein” anfühlt. Mit Dir kann ich gut flüssig sein.
    Vielen Dank für diese Erfahrung.


  2. Diese Erfahrung hat mich die ganze Zeit bei meiner Ausstellungsvorbereitung begleitet und mich durch jede Unsicherheit geführt…


  3. Ich staune, was aus dieser I REMEMBER Erfahrung alles schon gewachsen ist.
    …..und es hört nicht auf. Die Quelle sprudelt und sprudelt und sprudelt.
    Mein Begeisterungsnerv ist nachhaltig getroffen.
    Ich freue mich auf mehr!


  4. Jetzt grad zähle ich zu einer begeisterten Verfolgerin von der Reihe “I Remember”. Gemeinsam mit einer (Künstlerin-) Freundin regelrecht im I Remember zu schwimmen, und ein solches Portrait als Ergebnis, wunderschön Birgit-Rita…da bleibt einem fast die Puste weg, vor lauter schwimmen!
    Ich wünsche weiterhin viel Freude und Freiheit, statt Bewertungen!!!


  5. @ Inga Dragic Oltersdorf
    Danke für Deine Wünsche. Ich freie mich immer, wenn der Funke überspringt und den Begeisterungsnerv trifft. Auf der Welle kann man so herrlich leicht schwimmen. Die Ideen sprudeln nur so.
    Ich vermisse Deinen Blog!!!


  6. Das ist schön zu hören, das ingadoformen vermisst wird 🙂 Das passt aber alles immer noch nicht zum wieder Weiterschreiben, Posten ,Gestalten, und und und… Umso mehr freue ich mich hier vorbeizuschauen!


  7. Vorfreude ist auch schön. Ich weiß, dass du wieder kommen wirst – wenn die Zeit reif ist. Wie schön, dass wir uns in der Zeit in meinem Blog treffen können. Ich freue mich über deine Besuche und Kommentare.


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