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Hilfe zur Selbsthilfe

aus + 5 Kommentare + 16.05.2008

Ulrike Wolters, Lehrerin an einer Grundschule in Berlin kam kaum noch zum Unterrichten.  Das Schlichten zwischen den Schülern war ihre Hauptaufgabe geworden. Sie hörte von dem Buddy-Projekt, ein bundesweites Aktionsprogramm für Gewalt und Sucht an Schulen. Ein Baustein des Buddy-Projektes sind regelmäßig, tagende Klassenräte. Ulrike Wolter entschied sich es auf einen Versuch ankommen zu lassen und half ihren Schülern einen Klassenrat zu gründen. Das erste Jahr war sie regelmäßig anwesend. Die Schüler lernten Probleme rechtzeitig zu besprechen und selbstständig Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Manches Mal wurden auch Strafen ausgesprochen. Dabei handelte es sich um, so herkömmliche Massnahmen, wie Schulordnung abschreiben oder Ausschluß von der nächsten Exkursion. Wenn es sinnvoller erschien einem Schüler Hilfe an seine Seite zu stellen, anstatt Sanktionen zu verhängen, beschlossen sie auch unterstützende Maßnahmen.
Die Viertklässler, der Regenweiher Schule sind stolz auf ihre Leistung und Frau Wolters hat wieder mehr Zeit zum Unterrichten. Die Kinder sind ihr durch die gemeinsame Aktion sehr ans Herzen gewachsen.

Ich war sehr beeindruckt, als ich diesen Artikel gelesen habe. Ich war entsetzt zu lesen, dass für die Art von Projekten keine Unterrichtsstunden vorgesehen sind. Das bedeutet, es kommt auf die Lehrer an, ob sie ihre Stunden zur Verfügung stellen.

Theoretisch kann man eben nicht erfassen was praktisch möglich ist. Wir Deutschen haben auch Jahrzehnte gebraucht zu begreifen, das Hilfe zur Selbsthilfe in 3.Weltländern die effektivste und würdevollste Weise zu helfen ist.

5 Kommentare

  1. Ich finde das wunderbar, das es immer noch Lehrer gibt, die ihren Beruf als Berufung sehen. Hier wird deutlich, wie mit einfachsten Mitteln, großes Bewirkt werden. Das Geheimnis dieser Selbsthilfe ist – die Kinder werden gehört und gesehen. Vielleicht zum ersten mal in ihrem Leben. Jemand glaubt an sie – das bewirkt großes.
    Ich habe im Kindergarten schon so gearbeitet. Ich habe die Kinder ihren Streit selbst regeln lassen, ich habe nur unterstützt wo es nötig war. Ich habe immer zu den Kindern gesagt:” Wenn ich Richterin hätte werden wollen, würde ich hier nicht Arbeiten” Merkwürdigerweise hat dieser Satz immer dazu beigetragen, das sie Motiviert waren, den Streit selbst zu regeln. Ich fand das im übrigen auch richtig cool – die Kinder sind auf Ideen gekommen, die mir nie eingefallen wehren und ich heil froh war, das sie zu einer Lösung kamen. In manschen Fällen, hätte ich nie gewusst was ich jetzt machen sollte.


  2. Ich kenne niemand, der so bedingungslos an die Kinder glaubt, wie du. Unsere Generation kann sich oft nicht vorstellen, dass Kinder Ungeanntes leisten können, wenn wir an sie glauben. Sie können es sich nicht vorstellen, weil sie es selbst nicht erlebt haben.


  3. @ Martina

    “Wenn ich Richterin hätte werden wollen, würde ich hier nicht arbeiten”. Total gut. In meiner Kindergruppe werde ich beim nächsten Streit daran denken.Danke.


  4. @Martina @Inga
    Diesen Satz vergesse, ich auch nicht mehr. Es ist aber nicht nur der Satz, sondern viel mehr werde ich nicht vergessen,von wem ich ihn gehört bzw gelesen habe. Es kommt nicht darauf an was man sagt, sondern viel mehr wie man es sagt. Die Worte gehen, das Gefühl bleibt.


  5. @ Birgit-Rita

    Das stimmt, was du sagst.


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